Moin, war zwar lange inaktiv aber warum auch immer bin ich auf den Thread gestoßen.
Als ich das erste mal auf dem Build & Fight (RIP) Server gespielt habe war ich ca. ~13 Jahre alt. Mittlerweile bin ich seit 2019 bei der Bundeswehr, anfangs als Offizieranwärter und mittlerweile "ausgelernt" als normaler Offizier im Truppendienst.
Welche Tätigkeiten nehme ich in meiner Funktion als Soldat/Offizier wahr?
Um das beantworten zu können muss man erstmal verstehen, dass die Bundeswehr ein großer Arbeitgeber ist, mit vielen verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten. Ich selbst bin Führer eines Joint-Fire-Support Teams. Wir koordinieren auf Kompanie-Ebene den Einsatz von STF (Streitkräfte-Gemeinsame-Feuerunterstützung). Das schließt grundlegend ein, Artilleriefeuer, Luftnahunterstützung und Naval-Gunfire-Support zu koordinieren.
Also nehme ich selber primär folgende Tätigkeiten wahr:
- Ausbildung der mir anvertrauten Soldaten
- In Gefechtsübungen Beratung des Kompanie-Chefs bezüglich Einsatz STF
- Stetige Fortbildung im Bereich STF
- Durchführung politischer Bildung für Soldaten
- Anlegen/Durchführen von Schießen
- Einsatz als Sicherheitsoffizier im Rahmen von Artillerieschießen
- Anfangs erfolgreich ein Studium an einer der Bundeswehr-Universitäten absolvieren
Anmerken möchte ich, dass logischerweise die Tätigkeiten/Aufgaben je nach Verwendung und Dienstgrad bei der Bundeswehr stark variieren.
Wie zufrieden bin ich mit meinem Beruf?
Grundsätzlich bin ich glücklich mit meiner Berufswahl. Ich denke, dass kaum ein Beruf ein solches Verhältnis der Kameradschaft zwischen den Beschäftigten schafft wie bei der Bundeswehr. Die Verwendung fordert viel Verantwortungsbewusstsein und Disziplin, insbesondere in dem Verhalten gegenüber und der Ausbildung der mir anvertrauten Soldaten. Tatsächlich würde ich sogar behaupten, dass der menschliche Aspekt insbesondere zur Zufriedenheit beiträgt. Eine zentrale Herausforderung als Offizier bei der Bundeswehr ist vor Allem die "Bereitschaft" zur bundesweiten Versetzung, ich selbst bin ca. 600 km von meiner Heimat stationiert. Das ist jedoch für Kameraden unterhalb des Offizier-Dienstgrads eher unüblich, dementsprechend werden die meisten Soldaten heimatnah eingesetzt.
Abschließend kann ich nur wiederholen, dass die Berufung an sich sehr erfüllend ist, jedoch mit viel Belastung und Verantwortung einhergeht.
Würde ich meinen Beruf empfehlen?
Kontrovers, aber grundsätzlich Ja! Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber mir persönlich hat die Bundeswehr ein persönliches Wachstum, insbesondere charakterlich, ermöglicht, das mich deutlich zielorientierter und adaptiver gemacht hat. Mir ist klar, dass unter vielen die Angst vor der potenziell kommenden Wehrpflicht groß ist, jedoch hoffe ich einigen damit die Angst davor nehmen zu können. Ich denke, dass die Tätigkeit bei uns Sinn und Zweck hat und vielen jungen Menschen, wie auch mir, eine wichtige Orientierung in Lebenseinstellung sowie Charakter gibt.
Danke fürs Durchlesen, ich bin natürlich für Diskussionen und Fragen immer offen. :)
ToiletPaPer