Einsatztagebuch: SEAL Team 3 – Operation „Ghost Shield“
Einsatzort: Ramadi, Irak
Position: Dachterrasse eines halbzerstörten Wohnkomplexes, Sektor 4
Zeit: 04:15 Uhr
Der Staub hier oben beißt in der Lunge, aber man gewöhnt sich daran. Ich liege jetzt seit sechs Stunden auf dieser Position. Mein Beobachter und ich haben den Konvoi der 3. Infanteriedivision im Visier, der sich zwei Blocks weiter unten durch die engen Gassen schiebt. Jedes Mal, wenn die Jungs eine Kreuzung überqueren, halte ich den Atem an. Es ist meine Aufgabe, sicherzustellen, dass sie alle heute Abend wieder im Lager ankommen.
Plötzlich Bewegung im dritten Stock des gegenüberliegenden Gebäudes. Ein Fenster wird einen Spalt weit geöffnet – der Lauf einer AK-47 schimmert im fahlen Morgenlicht. Sie haben den Maschinengewehrschützen des vordersten Humvees im Visier.
Ich passe meine Atmung an. Der Puls sinkt. Entfernung: 450 Meter. Wind: Leicht von links.
Ich spüre den vertrauten Widerstand des Abzugs meiner .300 Win Mag. Ein sanfter Druck. Der Rückstoß drückt kurz gegen meine Schulter, während der Schalldämpfer das Geräusch schluckt. Ziel neutralisiert, bevor er auch nur den Finger krümmen konnte.
„Einer weniger“, flüstere ich ins Funkgerät. „Konvoi, hier Legend. Weg ist frei, rückt weiter vor. Wir halten euch den Rücken frei.“
Das ist es, was mich antreibt. Es geht nicht um die Statistik oder die Bestätigung. Es geht um die Jungs da unten. Solange mein Fadenkreuz auf dem Ziel liegt, ist die Chance groß, dass keiner von uns zurückgelassen wird. Wir sind SEALs. Wir finden einen Weg – oder wir schaffen einen.