Name, Rang, Seriennummer
(Übersetzt aus dem Englischen)
“Sergeant Thomas Allenby. Seriennummer neun vier zwei--”
Der Griff eines Revolvers knallte sehr hart gegen seinen Kiefer. Sergeant Allenby lachte, als er einen zerbrochenen Zahn auf den dreckigen Boden ausspuckte.
“Wenn sie mir den Kiefer brechen, werde ich ihnen leider nichts mehr sagen können…”, sagte er frech.
Der Mann spannte den Hammer des Revolvers und setzte die Waffe an die Stirn des Marines. “Sie mir sagen alles!”, schnauzte der Mann, “Sie fangen damit an, wie ihre kleine Patrouille diesen Ort gefunden hat!”
“Sergeant Thomas Allenby, Seriennummer--”
Die Pistole gab einen Schuss ab. Allenby schrie auf und lachte danach weiter, seine Stimme zitternd vor lauter Schmerz. “SCHEISSE!”, schrie er, “Das verdammte BEIN!? Bist du behindert? Triff die Oberschenkelarterie und ich blute innerhalb von Sekunden aus. Dann kriegen sie nichts mehr aus mir!”
“Sie sagen mir, was ich wissen will, oder die nächste Kugel geht in ihr Gehirn!”, kreischte der Mann.
“FICK DICH!”, schnauzte Allenby, “Sie haben verkackt! Sie hätten mich nicht anschiessen sollen! Jetzt weiß ich, dass sie bluffen! Sie können mich nicht töten! Ich bin der einzige Mensch, der weiß, was sie wollen, sie mieses, dreckiges Stück--”
Der Revolver wurde erneut gespannt. Der Lauf wurde ihm nun wieder an die Stirn gehalten. Der Mann hielt seinen Finger jetzt am Abzug. Allenby sollte hier Angst haben, aber seine Schmerzen, der Schock und das Adrenalin stellten sich strikt gegen ihn. Er konnte nichts tun, außer zu lachen.
“Dai Ta!?”, schrie jemand. Eine neue Person. Er stotterte etwas in Vietnamesisch und das leider zu schnell, als dass es Allenby verstehen könnte. Der Colonel sagte etwas als Antwort. Etwas wurde übergeben.
“Scheint so,”, grinste der Colonel hässlich, “als hätte ich eine Grund, sie länger am Leben zu halten.” Er hielt einen Umschlag an Allenbys Gesicht. “Was ist das?”
“Ich… habe keine Ahnung.”, sagte Allenby während er durch den Brief in die Augen des Colonels stierte. “Noch nie in meinem Leben gesehen.”
“LÜGEN!” quietschte der Colonel. “Das war in ihrem Rucksack! Mit anderen Sachen…”
Er drehte den Umschlag um. “Sehen sie das? Das ist das Symbol ihrer Central Intelligence Agency!”
Scheisse. Zum ersten Mal hatte er, seit ihn der Vietcong gefangen hält, richtige Angst.
“Ich… habe keine Ahnung, was sie meinen.”, protestierte Allenby.
“MEHR LÜGEN! Sie sind kein Soldat, sie sind ein amerikanischer Spion!”, er schlug aus purer Frustration mit dem Papier gegen Allenbys Gesicht. “Ich frage sie, wie haben sie diese Tunnel gefunden?”
“Eine Karte…”, sagte Allenby und biss sich aus Frust in seine Zunge.
“Aha… eine Karte… ich verstehe.”, lachte der Colonel grausam, “Sehr schlau von ihnen Amerikanern!” Er fummelte am Papier. “Ist auch egal, wenn ich dieses Papier nun mit dem Dreieck ausrichte…”
...
Seine Stimme stoppte sofort. Allenby lächelte.
“Sir?”, fragte eine der Wachen.
“Tuan,”, sagte der Colonel langsam, “kommen sie sofort her und sehen sie sich das an!.”
Danach wurde es schnell chaotisch.
Allenby sah nicht, was jetzt passierte. Er konnte kaum hören, was abging. Er musste es auch nicht genau verstehen, aber wusste es eh bereits.
Er wusste, dass das verwunderte Murmeln und die darauffolgenden panischen Befehle der Colonel und die Wache waren, welche eine weitere arme Seele dazu zwangen, sich das Bild anzusehen.
Er wusste, dass das kratzende Geräusch ein Messer war, mit welchem jemand das Bild in eine Wand ritzte.
Er wusste, dass die Infektion nun nicht mehr zu stoppen war, als das wilde Geschrei begann.
Es war eine halbe Stunde vergangen nachdem das Massensterben anfing, als der Colonel in den Raum platzte. Er fuchtelte mit dem Papier in seiner Hand vor Allenbys Gesicht herum.
“SCHAU DIR DAS AN!”, rief er, “SCHAU DAS AN, BITTE!”
Allenby schloss nur seine Augen und lächelte: “Sergeant Allenby, Ser--”
“SCHAU DAS AN, VERDAMMT, SCHAU!” Der Colonel öffnete Allenbys Augen mit seinen Fingern und hielt ihm das Papier vor das Gesicht. “BITTE SCHAU UM GOTTES WILLEN!”
Allenby grinste. Das Grinsen wurde schließlich zu einem leisen Kichern.
“Sie haben es nie bemerkt,”, sagte er und schüttelte seinen Kopf, “Sie haben es nie bemerkt…”
Dann sah der Colonel es. Beide Augen von Allenby waren aus Glas.
Allenby hörte, wie er nach dem Revolver griff und wie er den Hammer spannte, aber seine Hände waren zu unruhig und er schaffte es nicht ansatzweise, abzudrücken.
Die Waffe ließ er auf den Boden fallen.
Es dauerte eine ganze Weile, bis der Mann endlich starb und Allenby freute sich über jede Sekunde, in der er sein Geschrei hörte.
Eine Menge Zeit verstrich.
Der Tunnel im Untergrund war nun ein Totenhaus. Überall lagen Verstorbene und (langsam) Sterbende.
Allenby humpelte durch die Tunnel mit den Hälften des Bildes in seiner Tasche (beide sorgfältig zur sicheren Variante angeordnet). Er nutzte eine alte AK-47 von einer toten Wache als Gehstock. Immer wieder blieb er stehen und fühlte, ob irgendwo ein wenig Luft herein strömte.
Es dauerte eine ganze Weile, bis er endlich draußen war.
Er hob sich aus der Dunkelheit der Tunnel in das feuchte Klima des vietnamesischen Jungels und fühlte die warme Sonne auf seinem Gesicht, während er lächelte.
Es gab eine Rascheln am Boden. Er drehte sich um und fragte: “Nolan?”. Er erwartete die Antwort eines Verbündeten, aber bekam nur das Geräusch von zwei .22 Kalibern zu hören, welche ihm das Leben nahmen.
“Tut mir leid.”
“...was ist das?”
“Ich glaube, du weißt genau, was das ist.”
“Sieht wie eine Menge Linien aus.”
“Das ist es. Aber wenn du die Plastikfolie hier darüber legst…”
“HALT! STOP!”
“...Es ist eine Fälschung. Also weißt du genau, was es ist.”
“...”
“Ich muss zugeben, es war eine verdammt gute Idee. Ein blinder Agent, der für seine Behinderung kompensiert. Bei etwas, was tötet, wenn man es sieht.
Meine Vorgesetzten waren fasziniert von dieser Idee. Werden wir vielleicht in der Zukunft übernehmen.”
“...fick dich…”
“Lassen sie mich meine Warnung wiederholen, die ich ihnen gab, als sie hier zuerst aufgekreuzt sind, Herr Schlesinger. Spielen sie nicht mit Dingen, die sie nicht verstehen. Andererseits besteht die Chance, dass sie ein unehrenhaftes Ende finden werden.”
“...verdammt, ihr versteht es nicht. Wir kämpfen um die Befreiung der Erde! Wenn die Roten übernehmen, fällt alles zusammen…”
“Ah, ja, ihre allseits bekannte Dominotheorie. Ich bin mal ehrlich, Herr. Ein ideologischer Konflikt zwischen zwei Nationen, die so stark sind wie ihre, macht uns keine Probleme.
Wir haben kein Interesse darin, die “freie Welt” auf Kosten der tatsächlichen Welt zu retten.”
“...”
“Hier ist mein Ultimatum: Sie hören bedingungslos auf, Projekt OMEGA zu unterstützen. Wir wollen, dass alles zerschlagen und heruntergefahren wird.
MK Ultra. Groom Lake. Sogar das kleine Nebending in Philadelphia. Ein Aufseher unserer Foundation wird demnächst bei ihnen vorbeischauen und ihren Fortschritt dabei beobachten. Einen schönen Tag noch.”
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“...heilige Scheisse. Frau Jones, könnten sie bitte rüber in den Laden an der Ecke gehen und mir eine Packung Zigaretten holen?... Und kontaktieren sie bitte das Sicherheitsbüro, dass heute Nacht die Kamera vor meinem Büro überwacht werden soll… im Falle von ungebetenen Gästen…”
“Was hast du da?”, fragte Crow. Der junge Wissenschaftler schaute von seiner Zeitung hoch, in welcher er mit rotem Marker verschieden Kreise zog. Bis jetzt schien er wohl am begeistertsten im Artikel über eine Statue eines Künstlers, die ungewollt lebendig wurde und Leute tötete.
“Nicht viel.”, kam von Cog zurück. Der junge Mann hing seinen Filzhut und sein Jackett auf.
Im Gegensatz zu Crow, dessen Schreibtisch ein Saustall war, war seine eigene Seite des Büros sehr sauber, fast steril im Aussehen. “Ich war in Langley und habe dem CIA Director eine Nachricht vom Administrator übergeben. Ich finde, es lief recht gut.”
“Hast du mir ein Souvenir mitgebracht?”, fragte Crow grinsend.
“Mein Budget hat persönliche Ausgaben nicht vorgesehen.”, kam kalt als Antwort von Cog.
“Du hast kein Herz…”, Sagte Crow geknickt, “Oh yeah, Xav hat angerufen. Er wollte einen kompletten Bericht über die Linien auf seinem Tisch bis morgen.”
“hast du schon eine Datei dafür geöffnet?”, meinte Cog.
“Noch nicht. Wollte dich das machen lassen.”, gab Crow zurück.
Cog lief zum Schrank, der die Hälfte des Büros einnahm. Jede Schublade enthielt originale Akten und Berichte über jede Anomalie, die ihre Foundation bisher in der Eindämmung hatte: Jede außer einer, welche mit “Nicht Zugewiesene Nummern” beschriftet war.
Er langte hinein und zog eine leere Akte heraus, welche eine große Nummer auf der Vorderseite hatte.
“571.”, las er vor.
“Schöne Zahl.”, gähnte Crow.
Cog setzte sich hin und entnahm die Siegel von der Mappe, öffnete diese dann und sah das Formular der Special Containment Procedures.
Er schob das Papier in den Schlitten seiner teuren Schreibmaschine, richtete alles sorgfältig aus und begann zu schreiben.
Item #: SCP-571
Special Containment Procedures:
Ein einziges Blatt Papier, welches eine Instanz von SCP--571 enthält, soll in einem undurchsichtigem Behälter verschlossen werden, im Zentrum eines Hochsicherheitslagers…