Bewerbungsgespräche - Eure Erfahrungen

  • Guten Morgen zusammen,


    Da ich unter anderem in Zukunft mehrere Bewerbungsgespräche haben werde, wollte ich einfach mal in die Runde fragen, was so eure Erfahrungen mit Bewerbungsgesprächen sind.
    Das könnte anderen Leuten, die bald ihr erstes Bewerbungsgespräch haben, vielleicht bei dem ganzen sicherer vorkommen lassen und generell finde ich es einfach mal interessant, was da so eure Erfahrungen sind. Was für Fragen wurden gestellt, was habt ihr gemacht, um besser hervorzustechen, wann habt ihr eine Antwort bekommen, etc.


    Danke für eure Antworten, ich und viele andere würden sich freuen!

  • Kommt immer darauf an wo du dich bewirbst.

    Als ich damals zur Bundeswehr gegangen bin wurde ich ziemlich stark über den Arbeitgeber ausgefragt (aktuelle Auslandseinsätze, aktueller Verteidigungsminister, aktuelle Stärke) aber auch einiges über meine Wunschtätigkeit (wie ich damit zurechtkäme ggf. auch Waffengewalt auf andere Menschen auszuwirken oder wie ich darauf reagieren würde wenn mein Leben dadurch in Gefahr wäre).

    Der Typ war eigentlich echt nett, war nur sehr Respekteinflößend aber naja.

    Ich hatte um hervorzustechen schon mich länger vor der Bewerbung mich bei der lokalen Freiwilligen Feuerwehr aber auch ein wenig in die lokal Politik eingebracht, sowas kommt zumindestens bei der Bundeswehr gut an.

    Grundlegend empfehle icheinfach sich gut mit dem Arbeitgeber auseinanderzusetzen und natürlich auch mit der Tätigkeit auf die du dich bewirbst, dann noch ein gepflegtes und selbstbewusstes Auftreten und dann wird das klappen.


    Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen Bewerbungsgesprächen ;)

  • Nur ein paar Punkte von mir:


    1. Was vielen Arbeitgebern wichtig ist, ist Sicherheit. Die wollen natürlich, dass du ihrem Unternehmen, wenn du denn auch ein guter Mitarbeiter bist/sein wirst, möglichst lange zur Verfügung stehst. Insofern solltest du nicht ankommen mit Sachen wie "Ja ich möchte dann in 3 Jahren auf 50% reduzieren" oder "Ich ziehe in 2 Jahren zu meiner Freundin 300km weg". Selbst wenn so etwas geplant ist solltest du dann einfach sagen, dass bisher nichts geplant ist, denn wenn ein Arbeitgeber denkt, dass er nicht langfristig mit der rechnen kann, nimmt er vermutlich einen anderen Bewerber, auch wenn der vielleicht in anderen Aspekten (fachlich) schlechter ist als du.


    2. Zu einem Bewerbungsgespräch solltest du immer frühzeitig kommen und gut gekleidet sein, zu mindestens in Hemd und Hose mit ordentlichen Schuhen. Das zeigt, dass dir Pünktlichkeit wichtig ist und du das ganze Bewerbungsgespräch auch wirklich ernst nimmst.


    3. Die Leute die die Bewerbung führen (Personalvermittler, Angestellte des Unternehmens oder der Chef selbst) sind auch nur Menschen. Natürlich suchen Sie nach gewissen Kriterien die Leute raus, aber sehr wichtig ist zumeist einfach der persönliche Eindruck. Du kannst dir insofern nicht nur durch geeignete fachliche Kenntnisse "Vorteile" gegenüber anderen Bewerbern verschaffen, sondern auch durch Dinge, die auf emotionaler Ebene berühren, bspw. wenn du ehrenamtlich tätig bist solltest du das erwähnen usw.



    Ein paar andere Punkte noch:


    • Bereite dich auf schriftliche Tests vor, wenn diese Teil der Bewerbungsphase sind. Es ist ärgerlich wenn das Unternehmen gut zu dir passt und du dich gut auf das Gespräch vorbereitet hast, aber dann durch einen 0815 Einstellungstest durchgefallen bist, weil du bspw. nicht genug Mathe konntest. Dies fällt gerade Leuten schwer, die schon im Berufsleben waren und dann zu solchen Einstellungstests müssen und oft musst du einfach besser sein als der Rest wenn es bspw. 30 Leute gibt die teilnehmen aber nur 5 zum Gespräch kommen.
    • Wenn du mit mehreren Leuten im Assessment Center bist, solltest du dich auf jeden Fall jederzeit ordentlich und respektvoll Verhalten. Die schauen nicht nur darauf, wie du mit den Recruitern redest, sondern auch wie du mit deinen evtl. zukünftigen Kollegen umgehst. Auch wenn gerade keiner im Raum ist solltest du davon ausgehen, dass jemand mitredet/mithört bzw. etwas im Nachhinein mitbekommt.
    • Versuche möglichst ruhig zu bleiben und nicht herkömmliche Gepflogenheiten aufgrund deiner Aufregung zu vergessen, insbesondere Sachen wie: Die Leute grüßen, Hände schütteln, usw. Und das ganze schon auf dem Parkplatz und nicht erst bei dem Einstellungsgespräch, denn die Person die du vergessen hast zu grüßen könnte die Person sein, die mit dir über deine Bewerbung redet ^^



    Noch eine kleine persönliche Erfahrung von mir:


    MACHT EUER MAUL AUF! Es bringt nichts wenn ihr dort sitzt, euch klein macht und einfach nichts sagt und nur das aller nötigste.


    War damals im Gruppengespräch (Teil des Assessment Center) mit 3 weiteren Personen. Wir haben 15 min. über ein Thema gesprochen und dann sollte eine Person das Thema vorstellen. Natürlich war jeder nervös wie Sau und keiner wollte sich blamieren. Als dann die Frage kam, wer das ganze denn vortragen möchte, gab es erstmal ein paar Sekunden peinlicher Stille, woraufhin ich mich dann gemeldet habe. Hab den Job bekommen und die anderen 3 Personen nie wieder gesehen. Bei anderen Tagen wurden mehrere Leute angenommen, ein Limit gab es nicht.


    Das ist natürlich alles nicht so einfach als komplett neue Person im Berufsleben, aber versucht es zumindest :D

    2 Mal editiert, zuletzt von Sako ()

  • Also erstmal ist wichtig dass du deine Bewerbungen auch möglichst früh schreibst.

    AG's mögen es wenn man früh die Initiative ergreift und schon früh zeigt dass man durchaus Interesse am Betrieb hat. Geeignet wäre da der Monat April/Mai oder eben auch Juni/July.


    Informiere dich am besten auch darüber was man alles beantworten muss.

    Du sollst zwar so ehrlich wie möglich bleiben aber einige Arbeitgeber achten auch schon darauf in was für Verhältnissen man derzeit lebt (Verheiratet, Kinder usw.).

    Ansonsten informiere dich bestenfalls auch darüber was danach kommt.

    Vllt macht der Beruf an sich dir Spaß aber der Weg dorthin nicht, dass du auch gleich dort herausfilterst ob der Umfang an Wissen was du alles können musst zu dir passt.


    Ach und absolutes No-Go bei Gesprächen ist die Höhe des Gehaltes und die Anzahl an Urlaubstagen. Klar möchte man sowas gern wissen aber dass steht auch auf dem Arbeitsvertrag welchen man ja vor Antritt unterschreiben muss und wird von vielen Arbeitgebern nicht wirklich gern gesehen wenn man diese Frage stellt da es so aussieht als wäre man nur an viel Geld interessiert und möglichst lang frei zu machen.



    Hoffe konnte dir damit etwas helfen und viel Glück bei deinen Bewerbungen.

  • Es ist immer wichtig, dass du fragst. Das zeigt Interesse. Informiere dich ausführlich über deine Arbeitsstelle, damit du auf eventuelle Fragen zur Geschichte auch antworten kannst. Ansonsten, kommt halt der 0815 Stuff Stärken und Schwächen nenne am besten nicht 0815 Schwächen und Stärken das langweilig.

  • Bei mir kam eine Frage wie "Wie stehen sie zum Thema Lebenslangem lernen?" bei solchen fragen war ich erst überfordert aber bedenke es können manchmal etwas zu viele Fragen kommen und du musst nicht jede Frage ehrlich beantworten zb: wenn man dich nach Frau und Kinder fragt

  • Ich hab meine Bewerbungsgespräch immer improvisiert. Hat sich irgendwie richtiger angefühlt.. Aber ich mach das auch gern.

    Was mir aber immer wichtig ist, ist dass ich immer dieselbe Frage stelle: Warum mein Gegenüber denn gerne bei seinem Arbeitgeber arbeitet.

  • Moinsen,


    ich kann dir hier vielleicht einen interessanten Einblick geben. Habe im Lauf meiner Karriere diverse Bewerbungsgespräche geführt, sowohl als Führungskraft als auch als Bewerber. Zwar ist meine Sich auf die Dinge etwas biased von der IT-Branche, aber ich habe die Tipps hier mal verallgemeinert, sodass es eigentlich auf jeden Beruf mit einem Bedarf nach Fachkräften zutrifft. (Andere Jobs wie im Call-Center werden einem eh hinterhergeworfen).


    Dabei waren bisher Firmen wie Porsche, Deloitte, Blackrock, Allianz etc. in Managementpositionen (IT-Architekt) also ne gute Mischung.


    Wichtig vorab und was mir leider auch bei den vorherigen Antworten auffällt: Du wirst nicht zu einem Gespräch eingeladen um die Beine Breit zu machen und fein zu gehorchen. Wenn in der Branche ein gewisser Fachkräftemangel besten, dann bewirbt sich das Unternehmen vor allem bei dir. Du solltest an der Stelle natürlich nicht arrogant und abgehoben wirken, das Mindset sorgt allerdings dafür, dass du selbstbewusst rüberkommst und vermittelt dem Interviewer gleichzeitig das Gefühl, dass du mehr als genug Optionen hast - Ergo dieser will für dich automatisch attraktiver wirken.


    1. Bereits dich nur minimal vor: Befasse dich mit der Firmengeschichte und binde diese in die Vorstellung deiner eigenen Person ein. Beispiel: Das Unternehmen hat seit 1980 EDV im Einsatz. So kannst du, wenn du auf deine EDV-Kenntnisse zu sprechen kommst gleich sowas sagen wie: "Wie ich mitbekommen habe, setzt Ihr Unternehmen bereits seit 1980 auf EDV-Lösungen. Hier sehe ich bei mir Potenzial, wie handhaben Sie denn das Wissensmanagement im Unternehmen?"


    Indirekt Kommuniziert:

    - Geht offen mit seinen Schwächen um, ist willig diese zu verbessern

    - Buzzword: Wissensmanagement (Teilt und erringt gerne neues Wissen)


    2. Kein Vortrag: Ein gutes Bewerbungsgespräch ist kein Vortrag sondern eine Konversation. Ratter nicht deinen Lebenslauf runter, sondern erzähl von jedem Stolperstein, der dir auf dem Weg in die Quere gekommen ist und wie du das gelöst hast. Bau Witze über dich selbst ein, lach über Lücken im Lebenslauf.


    Indirekte Wirkung:

    - Lockert die Stimmung, auch für dich selbst

    - Wenn du über eine unangenehme Sache scherzhaft redest, konditioniert es dich bei eventuellen unangenehmen Fragen unterbewusst so vor, dass du nicht gleich in Panik verfällst. Gleichzeitig bietet es für den Interviewer viel weniger Angriffsfläche.


    3. Der verdammte Notizblock: Krass underrated... Nimm einen kleinen Notizblock mit, und schreib während des Gesprächs mit! Das macht einen guten Eindruck... Und denk dran - Mit eine Block kommt ein Stift, an dem man super geil rumfummeln kann, wenn es mal turbolenter wird.


    4. Deine Kleidung: Ich hasse das Thema selbst, weil ich echt kein Anzugsträger bin... Lieber Overdressed als Underdressed. Man muss es aber auch nicht übertrieben. enge Jeans, knöchellang mit Hemd und gescheiten Anzugsschuhe passt (Business Causal)


    5. Sei Authentisch: Die meisten Bewerbungsgespräche sind eintönig, langweilig. Mich interessiert z.B: bei einem Softwareentwickler nicht so stark, welche Tools er beherrscht, sondern wie er mit neuen Anforderungen etc. umgeht, wie schnell er sich Wissen erarbeitet und teilt. Das ist bei fast jedem Beruf so, zumindest Bürojobs. Sonst ist ein wirklich guten Bewerbungsgespräch ein Smalltalk auf Augenhöhe.


    5. Gehalt: Die Gehaltsfrage... Die wird kommen, wenn du dich auf eine Vollzeitstelle nach deiner Ausbildung oder so bewirbst... Nenne keine Spannen, informiere dich vorher auf Kununu über die durchschnittlichen gehälter und wäge ab, ob du überdurchschnittlich bist oder nicht.


    Wichtig: Es ist immer Blöd, spannen zu nennen. Wenn du eine Zahl nennst, wie bspw. 80.000 Euro Grundgehalt p.a. dann musst du damit rechen ein Gegenangebot von -5% bis -8% zu erhalten. Wenn ich also 80.000 Euro Grundgehalt p.a. verdienen möchte, setze ich eher bei 85 - 90 an.


    Was ich super gerne höre von Bewerbern ist: "Mein Zielgehalt (auch gerne im Rahmen eines gestaffelten Entwicklungsplans) liegt aufgrund meiner Erfahrungen in x,y,z,1,2,3 und meiner schnellen Anpassungsfähigkeit gebündelt mit meinem breiten Wissen über x,y,z und meinen blah blah blah bei 85.000 Euro"


    WICHTIG: Halt deine Klappe! - Und schau dem ggü. in die Augen. Und bitte einfach Fresse halten... Denn: Was hast du gesagt: Ich will 85k und wenn dir das zu hoch ist, bin ich offen für einen leistungsgetriebenen gestaffelten Gehaltsentwicklungsplan. Das bedeutet du setzt dich mit deinem Chef zusammen, legst Ziele fest und wenn du die erreichst bekommst du das Gehalt. - Wenn du hier unsicher wirst und nachhackst, hast du verloren. Es ist klassisch an dieser Stelle eine Art Stare-Off mit dem Interviewer zu haben...


    Wenn so ne Dumme Frage kommt wie, welche Ziele stellen Sie sich denn vor, antworte progressiv: "Das werde ich in dem Fall individuell mit Ihren Unternehmenszielen im Rahmen meines Onboardings vereinbaren" - Und das soll alles schön schriftlich festgehalten werden.


    Also mach dir klar: Dein Interviewer der bei nem großen Konzern oder so arbeitet und n' hübsches Auto fährt ist genau so Mensch wie du. Er könnte sogar ein Div Oeffner sein, der seit 5 Jahren in einer Garrysmod-Community rumlümmelt... Sind alles Menschen und desto menschlicher du bist, desto besser schneidest du ab.


    Solltest du oder jemand anderes sich hier im Forum für eine IT-Karriere entscheiden, unterstütze ich gerne 1:1.


    Grüße




  • Werde das Thema an der Stelle mal schließen, ich hoffe, dass vielleicht für den ein oder anderen hier wertvolle Tipps vorhanden sind, mir konnten sie auf jeden Fall helfen und ich habe so auch jetzt einen Ausbildungsplatz bekommen.
    Falls noch jemand was Neues hinzufügen möchte, kann man mich gerne kontaktieren.

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