Grüß dich,
die wichtigste Regel im Berufsleben ist, dass du Gefallen an deiner Arbeit finden musst, und niemand sonst. Klar, ein höherer Schulabschluss eröffnet dir mehr Möglichkeiten, aber wenn du diese nicht brauchst, dann musst den höheren Schulabschluss auch nicht krampfhaft anstreben.
Das größere Problem scheint, laut deiner Schilderung, eher deine Familie zu sein. Versuche zunächst, mit deinen Eltern und danach dir nahestehenden, vor allem gleichaltrigen, Familienmitgliedern zu sprechen. Eine Familie ist leider auch nicht besser als jedwede andere soziale Gruppe und es wird natürlich über dich gesprochen, aber du bist nicht der einzige. Wie in anderen Lebenslagen musst du lernen, so etwas nicht an dich heranzulassen oder etwaige Personen aus deinem Leben zu streichen,
Für deine Berufswahl steht dir mit der Mittleren Reife (entnehme ich deine Schilderung) praktisch alles offen. Es ist in unserer Gesellschaft aktuell äußerst schade, dass alles, was kein Studium erfordert, vor allem physische Berufe, als "minderwertig" angesehen werden. Wenn dem so wäre und niemand diese Berufe brauchen würde, dann gäbe es diese auch nicht. Davon darfst du dich nicht abschrecken lassen. Für deine Berufsfindung stellen sich nun die Fragen:
- Möchtest du bzw. traust du dir zu, einen physisch fordernden Beruf ausüben?
- Musst du zwingend innerhalb eines Gebäudes arbeiten oder ist es in Ordnung, im Freien zu arbeiten?
- "Erschaffst" du gerne etwas von Grund auf?
- Ist es dir wichtig, zu sehen, was du erarbeitet hast (und was daraus wird)?
- Bist du feinmotorisch begabt?
- Ist es von Relevanz, (nicht) mit Menschen zu arbeiten?
Das sind meiner Meinung nach die wichtigsten Fragen, die beantworten können sollst und musst, um deinen idealen Beruf zu finden. Fertigkeiten kannst du immer erlernen und der Körper ist äußerst anpassungsfähig, jedoch ist deine Psyche und dein Geist kaum noch formbar, lediglich mit eisernem Willen, weshalb du deine Auswahlmöglichkeiten zunächst nach dieser filtern solltest.
Um auch von mir persönlich zu erzählen: Nach der Schule hatte ich keinen blassen Schimmer, was ich tun soll. Ich habe die ersten Monate nach dem Abitur nur gechillt. Im August/September dachte ich mir: "Ich könnte mich mal nach etwas umschauen." Na ja, Bewerbungsfristen für Ausbildungen waren da schon rum, also musste ich mich für ein Studium bewerben, was ich aber auch vorhatte. "Keine Ahnung, mach ich mal Chemie. Da hatte ich Spaß dran und hatte immer gute Noten." Jetzt, fünfeinhalb Jahre später, sitze ich im Master, es macht mir Spaß und ich möchte noch weiter gehen. Schwein gehabt, hätte auch nach hinten losgehen können. Aber erst jetzt habe ich realisiert, welch schönen Berufe es gibt und welche eine Alternativoption für mich wären, beispielsweise Schneider oder Konditor. Oder vielleicht doch Straßenbau?
Was auch sehr schön ist, um einen Einblick zu erhalten, ist ein Praktikum. Falls du dich für etwas interessierst, frag einfach mal bei Firmen nach, ob du mal zwei Wochen (oder länger) reinschnuppern darfst. Vor allem im Handwerk freut das viele.
TL;DR: Lass dir nichts von deiner Familie sagen. Geh in dich und finde heraus, was du machen möchtest und informiere dich dahingehend.
Ich hoffe, ich konnte helfen :)