Bevor dieser Text gelesen wird, würde ich euch bitten, folgende Musik dabei laufen zu lassen (am besten noch Endlosschleife aktivieren):
Liebe Community,
nach 21 Jahren des Ausländertums, jahrelanger Integration und sechs Monaten der Aus- und Einbürgerung habe ich es nun endlich geschafft! Ich bin einer von euch! Nun kann ich dieses schöne Ding mein Eigen nennen:
Meine Geschichte
Geboren wurde ich als Kind von Einwanderern aus einem weit entfernen Land namens "Bosnien und Herzegowina". Aufgrund dessen habe ich bei meiner Geburt die deutsche Staatsbürgerschaft nicht erhalten, sondern die bosnische. Mein Leben war geprägt von regelmäßigen Besuchen der weit entfernten Botschaft in einer kleinen Ortschaft namens "Frankfurt am Main", um dort einen neuen Pass zu beantragen und dafür viel Geld hinzublättern, da die geldgierige Regierung jeden Cent aus im Ausland lebenden Staatsbürgern rausquetscht, um das Geld für sich zu verballern, anstatt für die Entwicklung des Landes auszugeben. Nachdem ich meinen Pass erhalten habe, konnte ich meinen "Aufenthaltstitel" beantragen. Das ist im Grunde genommen ein Personalausweis für Ausländer. Und dies habe ich mein Leben lang mitgemacht.
Mein Weg in die deutsche Staatsbürgerschaft
Nach Erreichen der Volljährigkeit hatte ich es satt, den langen Weg ständig auf mich zu nehmen, nur um schlechteren Service als bei der Telefon-Hotline gewisser Telekommunikationsdienstleister zu erhalten. Ich entschloss mich dazu, ein deutscher Staatsbürger zu werden. Da ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, dazu noch das Abitur gemacht habe, war ich natürlich bestens vorbereitet. Ich musste deshalb keinen Integrationstest machen, jedoch habe ich mich trotzdem auf den Moment des Erhalts der Staatsbürgerschaft vorbereitet. Ich habe regelmäßig ein Feierabendbier getrunken, gegebenenfalls mit meinem Nachbarn, ich habe rüpelhafte Jugendliche im Freibad darauf hingewiesen, nicht zu rennen oder vom Beckenrand zu springen und Liegen im Mallorca-Urlaub mit meinem Handtuch belegt. Nachdem ich meinen Antrag abgesendet habe, wurde mir die Staatsbürgerschaft sofort zugesagt, jedoch musste ich davor eine Sache erledigen:
Ich musste die bosnische Staatsbürgerschaft aufgeben.
Leichter gesagt als getan. Es hat mich ein halbes Jahr und einiges an Geld gekostet, aber nun bin ich den Fängen dieses Landes entkommen und kann mich nun stolz einen deutschen Staatsbürger nennen! Natürlich werde ich immer noch ein Jugo sein und bleiben, der seine Cevapcici auf der Baustelle isst und sowohl Tabakerzeugnisse als auch Selbstgebrannten über die EU-Grenze schmuggelt. Aber tief im Herzen war ich schon immer ein Deutscher. Nebst Pünktlichkeit und eisernem Arbeitswillen waren die Verhaltensnormen des Knigge stets äußerst wichtig für mich.
Abschließende Worte
Da ich es nun endlich geschafft habe, ein ganzer Deutscher zu sein, möchte ich diesen Tag mit euch zelebrieren. Ich danke allen in dieser Community, die mich auf diesem langen Weg unterstützt und mir dazu verholfen zu haben, der deutschen Kultur noch näherzukommen, als ich es eh schon war.
Ich danke allen, die sich diesen Text durchgelesen haben und wünsche euch noch einen schönen Tag!